EINE NICHT GANZ SO STILLE
NACHT
Autor: Klaus-Peter Behrens
„Jetzt verstehe ich.“ Liebevoll sah
Maren Michael an. „Du hast es ihm verraten, um mich zu überraschen.
Oh Hase, das war lieb von dir.“ Sie strahlte über das ganze Gesicht.
„Du hast doch an meinen Wunsch gedacht. Hast du schon gebucht?“
Michael fing an zu schwitzen. Er
hatte das Gefühl, plötzlich in eine Bärenfalle getappt zu sein, aus
der es kein Entkommen gab. „Nun..“, stotterte er, während er sich
über das gutmütige Grinsen des Weihnachtsmanns ärgerte. „Ehrlich
gesagt, habe ich nichts .....“ Das Klingeln der Türglocke rettete
ihn vor einer Erklärung.
„Wer kann das sein?“, fragte Maren
erstaunt.
„Ich schätze, ich habe da so eine Befürchtung“, seufzte Ruphus.
Vor der Tür wartete Thomas, Jura-Student im siebten Semster, in
seinem schon leicht mitgenommenen Weihnachtsmannkostüm. Dies war nun
schon sein neunter Auftritt für heute und dementsprechend motiviert
war er. Die ersten zwei bis dreimal waren ja noch ganz lustig
gewesen, doch spätestens beim vierten Mal hatte ihn der Job zu
nerven begonnen. Wahrscheinlich würden ihn die Weihnachtslieder, die
die Kinder ihm mit quietschenden Stimmen vorgesungen hatten, noch im
nächsten Sommer verfolgen. Zum Glück hatte der eine oder andere
Hausherr Mitleid gehabt und ihm gelegentlich etwas zum Trinken
angeboten. Das hatte das Ganze ein wenig erträglicher gemacht. Er
seufzte bei dem Gedanken, was ihn in diesem Haus wieder erwarten
würde, während er erneut auf die Klingel drückte. Wollten die ihn
hier erfrieren lassen? Dies war seine letzte Tour für heute, und er
wollte endlich nach Hause! Gelegentlich warf er einen nervösen Blick
auf die Hundehütte, in der ein beeindruckend großer Schäferhund lag.
Doch zum Glück hatte der sich bisher nicht gerührt. Das Drehen des
Schlüssels im Schloss der Haustür riß Thomas aus seinen Gedanken.
Anscheinend hatte man ihn endlich gehört. Innerlich gab er sich
einen Ruck, es war wieder Showtime.
„Ho, ho, ho, von draußen vom Walde
komme ich her und .....“
„Das ist doch logisch, schließlich
leben wir im Wald“, unterbrach Tina, die als Erste zur Tür gerannt
und diese geöffnet hatte, Thomas Vortrag. Der war verblüfft. „Ähh,
ja, da ist was dran“, stotterte er. „Also, Kleine, kann ich mal
deine Eltern sprechen.“
„Wo ist denn dein Rentierschlitten?“
Neugierig sah Tina sich im Garten um, doch alles was sie entdeckte
war ein betagter VW-Golf, der vor ihrer Gartentür parkte. Thomas
seufzte. Wieder so ein Kind, das ihn mit Fragen quälte. „In der
Inspektion“, erwiderte er sarkastisch. „Hör mal, ich würde jetzt
wirklich gerne deine Eltern sprechen.“ Tina sah ihn mißtrauisch an.
Dieser Weihnachtsmann entsprach so gar nicht den Bildern aus ihren
Büchern. So weit sie sich erinnern konnte, trug der Weihnachtsmann
auch keine ausgetretenen Turnschuhe und Jeans unter seinem roten
Mantel. „Du bist gar nicht der Weihnachtsmann“, stellte sie
energisch fest.
„Bin ich doch, und ich habe sogar
eine große Rute mitgebracht“, knurrte Thomas verärgert, dem
allmählich klar wurde, dass er sich von seinem Honorar verabschieden
konnte, wenn es ihm nicht gelingen sollte, seine Rolle überzeugend
zu spielen. Und im Augenblick sah es nicht so aus, als würde ihm das
gelingen.
„Wenn du der Weihnachtsmann bist,
dann weißt du auch, was ich mir gewünscht habe“, gab Tina ihm eine
letzte Chance. Hoffnungsvoll sah sie zu ihm auf. Vielleicht hatte
sie sich ja geirrt, und dies war wirklich der Weihnachtsmann.
„Na klar, jede Menge Spielzeug“,
bluffte Thomas aufs Geratewohl.
„Falsch!“
„Hey, mach die Tür wieder auf!“ Ein
dumpfes Klopfen ertönte, das Tina jedoch unbeeindruckt ließ. Im
Eilschritt lief sie den Flur entlang und dann die Treppe hinauf.
Beinahe hätte sie dabei zum zweiten Mal an diesem Abend ihren Vater
überrannt, der gerade aus der Küchentür trat.
„Wer war denn an der Tür?“, rief er seiner Tochter hinterher.
„Ein Betrüger“, schallte es von oben zurück, gefolgt von einem
lauten Knallen einer Zimmertür. Michael zuckte die Achseln. Heute
war wirklich ein verrückter Tag. „Ja, ja, ich komme ja schon“, rief
er, als erneut das ungeduldige Klingeln an der Haustür ertönte.
„Ho, ho, ho, von draußen vom Walde
komme ich...“, setzte Thomas zu einem zweiten Versuch an, doch auch
diesmal schaffte er es nicht, seinen Vortrag zu Ende zu bringen.
„Was wollen Sie denn
hier?“, fragte Michael erstaunt beim Anblick des schlecht
verkleideten Studenten, der über eine beachtliche Alkoholfahne
verfügte. Der ließ resigniert die Schultern hängen. Entweder hatte
sich die gesamte Hausgemeinschaft gegen ihn verschworen oder er war
Opfer der versteckten Kamera geworden.
„Ihnen den neuen
Hyper-Turbo-Staubsauger mit wieder verwendbarem Jutestaubsack
andrehen“, brummte er, wobei er Michael seinen Weihnachtssack unter
die Nase hielt. „Ich hoffe, ihnen gefällt die Ausführung. Den Besen
gibt es gratis dazu.“
In der Küche versuchten inzwischen der Weihnachtsmann und Ruphus
verzweifelt mitzubekommen, was draußen an der Tür passierte. Doch
angesichts des Umstandes, dass Maren ihnen begeistert von Paris vor
schwärmte, erwies sich das als aussichtslos. Ein plötzlicher Ruf
Michaels unterbrach ihren Vortrag.
„Schatz, kommst du bitte mal. Hier stimmt etwas nicht.“
„Sie entschuldigen mich, ich bin gleich wieder da.“ Maren verschwand
aus der Küche.
„Jetzt sitzen wir in der Falle.“ Der Weihnachtsmann seufzte. Ruphus
legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter.
„Keine Sorge, mir fällt schon etwas ein. Wozu kann ich schließlich
zaubern?“
Tina lag tief enttäuscht auf ihrem
Bett, das Gesicht im Kissen vergraben. Was würde der Weihnachtsmann
wohl dazu sagen, wenn er von diesem Betrüger wüßte?, fragte sie
sich, als eine tiefe Stimme sie erschrocken hoch fahren ließ.
„Na, wer wird denn am Weihnachtsabend weinen?“
„Bist du der echte Weihnachtsmann?“, flüsterte Tina beim Anblick des
weißbärtigen, gütig wirkenden Mannes in dem roten Anzug, wobei sie
Ruphus argwöhnisch betrachtete. Ihr war schleierhaft, wie die beiden
so plötzlich in ihrem Zimmer auftauchen konnten. Fast kam es ihr
vor, als sei hier Zauberei im Spiel. Der Weihnachtsmann bückte sich
zu ihr hinunter und strich ihr liebevoll über das Haar.
„Ja, ich bin der einzig wahre
Weihnachtsmann, und das ist mein Gehilfe Ruphus. Du brauchst keine
Angst zu haben.“
„Habe ich auch nicht“, erwiderte Tina trotzig, obwohl ihre Stimme
ein wenig zitterte. „Aber wenn du der echte Weihnachtsmann bist,
dann weißt du auch, was ich mir gewünscht habe.“
Der Weihnachtsmann nickte und öffnete seinen Sack. Tinas Augen
wurden groß, als sie sah, was der Weihnachtsmann vorsichtig zutage
förderte. Eine kleine, schwarz weiß gemusterte Katze. „Minka läßt
dich übrigens grüßen. Es geht ihr gut im Katzenhimmel, und sie
hofft, dass du auf diese Kleine hier aufpassen wirst. Bekommst du
das hin?“
Tina nickte stumm, während eine einzelne Träne über ihre Wange lief.
„Danke“, flüsterte sie leise, dann sah sie den Weihnachtsmann
ehrfürchtig an. „Du bist wirklich echt!“, staunte sie. Der
Weihnachtsmann schmunzelte. „Oh ja, das bin ich, aber nun muß ich
wieder los.“ Nervös sah er zu Ruphus hinüber. „Hol den Schlitten.
Und laß dir etwas für diesen falschen Weihnachtsmann einfallen,
damit wir Zeit gewinnen.“
„Schon geschehen“, antwortete Ruphus amüsiert.
In seiner Hütte stellte Harro
begeistert fest, dass er die Kontrolle über seine Gliedmaßen
zurückbekommen hatte. Nun war es an der Zeit, den Eindringlingen zu
zeigen, wer der Hund auf diesem Hof war. Sein Blick fiel auf den
Mann in dem lächerlichen roten Kostüm, der sich heftig mit seinen
Leuten stritt. Er sah zwar mit seinem weißen Bart aus wie ein alter
Mann, aber Harro konnte riechen, dass das nicht stimmte. Der Mann
war ein Betrüger, und Harro mochte keine Betrüger. Er hatte schon
eine Idee, wie er sich dem Unbekannten vorstellen würde. In froher
Erwartung zog er die Lefzen zurück, so dass sich das Mondlicht auf
seinen Zähnen spiegelte. Für einen kurzen Augenblick zögerte er und
hob irritiert den Kopf. War da nicht eben etwas Großes lautlos zur
anderen Seite des Hauses hinüber geflogen? Ein Schlitten, der von
seltsamen Tieren gezogen wurde? Argwöhnisch musterte er den Himmel,
an dem jedoch nur der Mond in einem Meer aus lauter kleinen Wolken
schwamm. Unwillig schüttelte Harro den Kopf. Jetzt litt er schon
unter Wahnvorstellungen. Es war an der Zeit, sich auf das zu
konzentrieren, was er vor der Schnauze hatte, und das leuchtete
verlockend rot. Harro setzte sich leise in Bewegung.
„Toll, ein echter Rentierschlitten,
und er kann fliegen.“ Tina war begeistert. „Nehmt ihr mich mit?“,
fragte sie den Weihnachtsmann, der gerade dabei war, mit der Hilfe
von Ruphus durch das geöffnete Fenster auf den Schlitten zu
klettern. Die Augen des Stoffbären, der bei diesem Manöver wie
zufällig von der Fensterbank gefallen war, schienen zu sagen: Das
schaffst du nie.
„Das geht leider nicht“, ächzte der
Weihnachtsmann, während er einen halsbrecherischen Spagat zwischen
Fensterbank und Schlittenkufe zu Wege brachte, der jeden Stuntman
vor Neid hätte erblassen lassen. „Noch mehr Gewicht verträgt der
Schlitten nicht.“
Auf der anderen Seite des Hauses
ging es inzwischen lautstark zu.
„Sie verschwinden jetzt von unserem Grundstück. Ein betrunkener
Student, der dazu noch meine Tochter verängstigt hat, kommt uns
nicht ins Haus“, fauchte Maren wütend.
„Nicht ohne mein Geld. Wir haben einen Vertrag.“
„Das können Sie mit Harro aushandeln.“
„Wer ist Harro?“
Statt zu antworten, wies Michael nur lässig auf etwas oder jemanden
hinter Thomas. Ein tiefes Knurren, das plötzlich hinter seinem
Rücken ertönte, ließ Thomas schlucken.
„Ärgern Sie ihn nicht zu sehr, er ist sehr sensibel“, spottete
Maren.
„Warten Sie, ich..“, setzte Thomas an und brach ab, als er sich
unvermittelt der geschlossenen Tür gegenüber sah.
„Meinst du, Harro wird ihm etwas
antun?“, fragte Maren mit leichter Besorgnis in der Stimme. Immerhin
war Weihnachten, da sollte man Milde walten lassen. Michael winkte
beschwichtigend ab.
„Ach was, er wird ihn nur ein wenig
durch den Garten jagen, wie er es immer mit dem Postboten macht. Das
schadet nicht und ist gut für die Fitness. Er wird uns dankbar
sein.“ Ein lautes Bellen, gefolgt von einem heftigen Fluchen, ließ
Michael aufhorchen. Dann ertönte das laute Klappen der Gartentür,
und einen Augenblick später heulte ein altersschwacher VW-Golf Motor
auf. Dem Tempo nach zu urteilen, mit dem er leiser wurde, hatte der
Fahrer es eilig, Distanz zwischen sich und dieses Haus zu bringen.
„Siehst du, er hat es geschafft.“
„Oder Harro fährt den Wagen und jagt
ihn jetzt den Berg hinunter.“
Michael lachte. „Nette Idee, aber jetzt würde ich zu gerne wissen,
wo dieser Weihnachtsmann in unserer Küche herkommt. Der kam mir
gleich ein wenig suspekt vor.“ Energisch schritt Michael den Flur
hinunter, öffnete die Küchentür und blieb verblüfft stehen. „Er ist
verschwunden“, stellte er erstaunt fest.
„Wo ist er hin?“
„Keine Ahnung, vielleicht füllt er gerade seinen Sack mit unserer
Stereoanlage.“
„Dann sollten wir ihn schleunigst finden.“
Eine Etage höher hatte der
Weihnachtsmann inzwischen das Wunder vollbracht und war sicher auf
dem Schlitten gelandet. Der hatte zwar bedenklich geschwankt, so
dass Tina erschrocken die Luft angehalten hatte, aber letztlich war
nichts weiter passiert.
„Auf Wiedersehen lieber Weihnachtsmann.“
„Auf Wiedersehen Tina, und paß gut
auf die Kleine auf“, erwiderte er und wies auf die Katze, die es
sich auf Tinas Armen gemütlich gemacht hatte. Sie sah mindestens so
glücklich aus wie Tina.
„Ach ja, da wäre noch etwas“, bemerkte Ruphus, der aus seinem grünen
Umhang ein offiziell aussehendes Schreiben hervor zog. „Gib das
deinem Vater und sag ihm, ich hätte den Brief vorhin auf dem Weg
gefunden. Wahrscheinlich hat er ihn verloren. Vergiss das bitte
nicht, es ist wichtig.“
Tina nickte stumm und nahm den Brief entgegen, der auf wundersame
Weise vom Schlitten ins Zimmer hinüber geschwebt war.
„Und nun leb wohl.“
„Auf Wiedersehen“, rief Tina, „bis zum nächsten Jahr“, dann
verschwand der Schlitten wie ein Gespenst in der Nacht.
„Den Brief hast du doch nicht
wirklich gefunden“, stellte der Weihnachtsmann fest.
„Sagen wir, ich habe ein wenig nachgeholfen, außerdem habe ich noch
eine kleine Überraschung vorbereitet“, erwiderte Ruphus mit einem
Grinsen auf dem Gesicht. Der Weihnachtsmann schnaufte gutmütig. „Ich
sehe schon, in ein paar hundert Jahren trägst du einen langen weißen
Bart und machst meinen Job.“
„Tja, wer weiß, möglich ist alles. Vielleicht sollte ich meine
Berufsplanung noch einmal überdenken“, bemerkte Ruphus, worauf beide
in ein so herzhaftes Gelächter ausbrachen, dass die Rentiere beinahe
vom Kurs abgekommen wären. „Na dann wollen wir mal sehen, was uns
als nächstes erwartet.“
„Was machst du denn da?“ Erstaunt betrachtete Maren ihre kleine
Tochter, die vor dem offenen Fenster stand und in den Himmel
starrte. Erst jetzt entdeckte sie, dass Tina etwas auf dem Arm trug.
„Und wo kommt die Katze her?“
„Die hat mir der Weihnachtsmann geschenkt, und er hat gesagt, dass
es Minka gut geht. Ist das nicht toll?“
„Ja, das ist toll, mein Schatz. Michael, kommst du mal, ich glaube,
sie sind hier hinaus.“ Vorsichtig ging Maren zum Fenster hinüber und
spähte in den Garten hinab, doch da war nichts zu sehen.
„Kannst du etwas entdecken? Hey, Tina, wo kommt denn die Katze
her?“
„Hat sie vom Weihnachtsmann“, erwiderte Maren an Tinas Stelle.
„Und das hat mir der Weihnachtself für dich gegeben. Er hat es
gefunden.“
„Zeig mal her.“ Erstaunt nahm Michael seiner Tochter den Brief ab,
öffnete ihn und begann zu lesen. Maren, die inzwischen das Fenster
schloss, warf ihm einen besorgten Blick zu. So einen
Gesichtsausdruck hatte sie bei ihrem Mann schon lange nicht mehr
gesehen. „Was steht denn da drin?“, wollte sie wissen.
„Das glaubst du nicht!“ Michael jubelte begeistert, worauf die Katze
verängstigt von Tinas Armen sprang und sich unter einem Stuhl
versteckte. „Ich habe einen neuen Job!“
„Was?“ Aufgeregt rannte Maren zu Michael hinüber und riß ihm den
Brief aus der Hand. Ihre Augen flogen über den Text. „Tatsächlich“,
stellte sie ungläubig fest. „Das ist ein Wunder.“ Als hätten sie den
gleichen Gedanken gehabt, fuhren ihre Köpfe zum Fenster hinüber, wo
angeblich der Weihnachtsmann verschwunden war.
„Glaubst du ..?“, fragte Maren zögernd.
„Ehrlich gesagt ....“ Michael stockte. Seine Welt war mit einem Mal
ins Wanken geraten. Hatte er etwa wirklich den Weihnachtsmann in
seine Küche geschleppt? Tinas Blick irrte zwischen ihren Eltern hin
und her. Konnte das sein, dass die etwa nicht an den Weihnachtsmann
glaubten? Energisch stampfte sie mit dem Fuß auf.
„Natürlich war das der
Weihnachtsmann!“, stellte sie kategorisch fest.
Michael nickte, bückte sich und hob
die kleine Katze auf, die noch immer unter dem Stuhl hockte. Er sah
fragend zu Maren hinüber, die unbemerkt von Tina ihre Zustimmung
signalisierte, dann wandte er sich seiner Tochter zu. „Natürlich war
das der Weihnachtsmann“, sagte er und stellte erstaunt fest, dass er
selbst ein wenig daran glaubte, „und einen neuen Hausbewohner hat er
uns auch noch gebracht. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Und nach
Paris kommen wir auch noch.“ Liebevoll zwinkerte er seiner Frau zu.
Harro hatte inzwischen seine Posten
am Gartentor aufgegeben. Er bezweifelte, dass sein Opfer noch einmal
zurückkehren würde. Das war schade, denn es hatte Spaß gemacht, den
Fremden durch den Garten zu jagen. Während er zurück zu seiner Hütte
trottete, meldete sein feines Gehör ihm, dass seine Leute etwas
taten, was sie als Singen bezeichneten und Harro regelmäßig in den
Ohren weh tat. Doch da sie immer nur dann sangen, wenn sie glücklich
waren, nahm Harro es gelassen hin. Wenigstens ging es seinen Leuten
gut. Plötzlich jedoch stieg ihm der Geruch von Gebratenem in die
Nase. Überrascht blieb er stehen und hob witternd die Nase. Kein
Zweifel! Der Geruch kam direkt von seiner Hütte. Begeistert rannte
er hinüber und stellte verblüfft fest, dass sich sein Trockenfutter
in einen riesigen Haufen seiner Lieblingsfleischstücke verwandelt
hatte. Der große Weihnachtshund hatte ihm also doch nicht vergessen.
Einen Augenblick zögerte er noch, hineinzubeißen, da ihm die Sache
nicht geheuer vorkam, doch dann überwand er seine Scheu. Schließlich
lautete seine Devise, man nahm, was man vor die Schnauze bekam.
Frohe Weihnacht