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Die Rache des kleinen Mannes
Eine wahre Nikolausgeschichte von Anton Gabler

In unserer Zeit ist es schwer geworden, das Amt des heiligen Nikolaus auszuüben. Das Amt wird oft als pädagogische Instanz gesehen, in der man auf jeden Fall etwas falsch macht. Viele Eltern laden den hl. Nikolaus ein, der ihren Kindern in einer Art Predigt Schwächen und Stärken aufzeigen soll. Fällt diese Predigt zu deutlich aus, d. h. die negativen Begebenheiten überwiegen, kann dies für die Kinder, so behaupten einzelne Psychologen, Schlafstörungen oder Alpträume erzeugen, vor allem dann, wenn der Krampus Drohungen mit der Rute verstärkt. Zeigt der Nikolaus aber nur die positiven Seiten eines Kindes auf und lobt überschwänglich, fehlt es an der nötigen Strenge, die die Eltern von einem hl. Nikolaus erwarten.
Mein letzter Nikolausbesuch liegt schon einige Jahre zurück, er hat zum Glück keine Albträume und keine traumatischen Folgen bewirkt. Ein Wunder, wenn man die Geschichte liest.

5. Dezember: Es begann mit einem Treffen der Dorfjugend am alten Feuerwehrhaus in Piflas. Stimmen drangen durcheinander: „ Heute wollen wir keine Angst vom Nikolaus zeigen. Die sollen nur kommen. A Taschenmesser hab ich immer dabei. I reiß an Krampus an Bart oba und versteck eahm d’Ruatn.“
Die Zeit verging, es wurde langsam dunkel und jeder Einzelne aus der Gruppe verschwand in Richtung Zuhause.
Ich wartete mit meiner Schwester auf das Erscheinen des hl. Nikolaus. Sie las in einem Buch, ich ordnete meinen Trix-Baukasten. Plötzlich waren da ein Klirren und ein Rumpeln zu vernehmen. Sie waren da. Mutter öffnete die Türe, der Krampus klopfte mit der Rute auf den Boden und knurrte: „Wo san denn de Gabler-Kinder? Der Heilige bedeutete ihm, sich still zu verhalten und er sagte zu meiner Schwester: „Über dich habe ich eigentlich nur Gutes in meinem Buch stehen. Du lernst fleißig und hilfst auch bisweilen im Haushalt. Kannst du mir vielleicht ein Gedicht aufsagen?“ Flüssig und ohne zu stocken, kam dann „Der Knabe im Moor“ über ihre Lippen. Lächeln unterbrach sie der hl. Nikolaus. „Gut gelernt! Da hast du eine kleine Belohnung und er gab ihr ein Hauchbild und eine Tüte mit Äpfeln und Nüssen.

„Und nun zu dir, Toni! Über dich habe ich wenig Gutes im Buch hier. Was lese ich hier? Du hast mit der Zwistl auf Spatzen geschossen, das ist Tierquälerei, das müsste dir doch klar sein. Weiter steht hier. Hat mit einer Zierbirne das Wohnzimmerfenster eingeworfen. Krampus zeig ihm die Rute!“ Drohend kam die finstere Gestalt näher und klopfte auf den Tisch. Der hl. Nikolaus fuhr fort: „Aber ich finde auch Gutes in meinem Buch. Du lernst fleißig für die Schule und hilfst beim Holz aufrichten. Kannst du mir mit einem Gebet oder einem Lied Freude machen?“
Nach dem ersten Schrecken erinnerte ich mich wieder an unser Versprechen vom Nachmittag, keine Angst zu zeigen. Ich fing also an: Gelobt sei Jesus Christus! In Österreich. Amen! Der Krampus haute wieder mit seinem Stecken auf den Tisch. Ich fing dann auch noch zu singen an:“ Nikolo bum,bum! Ihr zwoa schauts ganz sche dumm. Ihr kennts mir ja koa Angst net macha, über euch muss i bloß lacha.“
Jetzt wurde es den beiden zu bunt. „Ja, wenn du meinst, du musst uns nicht ernst nehmen, dann nehmen wir dich einfach mit. Krampus öffne den Sack!“ Mit vereinten Kräften steckten sie mich in den Sack. Ich wehrte mich nicht besonders, glaubte ich doch, mein Messer würde schon scharf genug sein, um ein Loch in den Sack zu schneiden. Krampus warf den Sack über die Schultern und verließ das Haus. Ich hörte, wie sie miteinander berieten. „Ich glaub, wir werfen ihn in die Isar, da ist nicht weit hin. Sie setzten sich in Bewegung.“Wie weit ist es noch?“fragte der Krampus. „So circa 100 Meter,“ war die Antwort. Mir wurde langsam mulmig, konnte ich doch mein Messer nicht finden. Ich schrie: „Lasst mich raus, ich wollte euch nicht ärgern!“ Die beiden stapften weiter. Ich weinte, ich brüllte vor Angst. „So, jetzt sind wir gleich an der Isar. Auf 3,2,1 los lassen wir ihn los, dann fliegt er.“ Und wirklich! Sie zählten 3,2,1, los und ließen mich fallen. Ich hielt den Atem an. Natürlich warfen sie mich nicht in die Isar. Ich landete in einem umzäunten Freilauf für Hühner beim Wachinger. Nach dem ersten Schrecken schälte ich mich aus dem Sack, was gar nicht so einfach war. Ich stützte mich mit den Händen ab und – pfui Teufel – ich langte in weichen Hühnerkot. Jetzt erst wurde ich so richtig wütend und tastete nach irgendeinem Gegenstand, den ich den beiden Peinigern nachwerfen konnte.

Nach langem Suchen – etliche Fehlversuche mit Hühnerkot eingeschlossen – ertastete ich einen Stein. Diesen schleuderte ich mit aller Kraft Richtung Nikoläuse. Ich musste erfolgreich gewesen sein, denn plötzlich ertönte ein Schmerzensschrei. „ Au, der Hundskrippe hot ma an Stoa aufegschmissn.“ Dann trat Stille ein. Ich schlich mich die knapp hundert Meter zu unserem Haus, über und über mit Dreck verschmiert. Schluchzend und zitternd vor Zorn läutete ich an der Haustüre. Meine Mutter öffnete, sah mich, erschrak und nahm mich ihn den Arm, was nicht alltäglich war. „Ja, wie schaust denn du aus. Alles voll Dreck und stinga duast du vielleicht. Geh in d‘ Waschküch’ und mach de sauber, i bring dir a anders Gwand.“ Meine Schwester hielt mein vermisstes Messer in der Hand. Sie zeigte mir die Zunge und sang, wenn man diese Lautäußerung als Gesang bezeichnen kann. „Der Toni liegt im Hehnadreck, de Mama putzt eahm d‘ Schedern weg.“ Ich wollte auf sie losgehen, aber Mutter zeigte nur ganz kurz auf die Waschküche. Dieser Fingerzeig genügte, ich wollte nicht noch mehr „Unheil“ erleiden. In der Waschküche, wo ich mich säuberte – ich stank wirklich furchtbar - hörte ich den Satz, der meine Laune verbesserte und mich aufatmen ließ. „Zu uns kommen koa Nikolo mehr, de kennan ja koa Maß und koa Ziel.“

Am nächsten Tag, einem Sonntag, hieß es früh aufstehen, um rechtzeitig in die Frühmesse zu kommen. Während des Gottesdienstes überlegte ich fieberhaft, wer wohl die Nikoläuse gewesen waren, die mir so übel mitgespielt hatten. So richtig andächtig war ich nicht, ich drehte mich immer wieder um, ob ich jemand entdeckte, der durch einen Kopfverband oder wenigstens durch ein großes Heftpflaster aufgefallen wäre. Vergeblich, keiner der jungen Burschen hatte eine solche „Auszeichnung“, für die ich verantwortlich war. Die Messe war vorüber und ich wusste immer noch nicht, wem ich meine Todesangst zu verdanken hatte. Nach dem Gottesdienst kam Stadtpfarrer Felsinger wie gewohnt auf den Vorplatz, um sich mit seinen Pfarrkindern zu unterhalten. Wenn man angesprochen wurde, musste man ihm als Kind die Hand geben und ein freundliches „Gelobt sei Jesus Christus“ von sich geben. Als Erwachsener oder als Halbwüchsiger gehörte es sich, den Hut zu ziehen und den Gruß freundlich zu erwidern. Und da sah ich einen meiner Peiniger. Der Pollinger Franz, der beim Grasser Sepp stand, lüftete seinen Hut, als der Herr Pfarrer ihn anredete. Ganz deutlich war das Riesenpflaster am Hinterkopf zu erkennen.

So die beiden waren es also. Wahrscheinlich waren sie während der Messe auf der Empore. Da stach mich der Hafer. Ich verlor alle Scheu, der Stadtpfarrer war ja in der Nähe und ich näherte mich aufreizend langsam den beiden. Sie werden die Melodie wieder erkannt haben, die ich vor mich hin trällerte. „Nikolo bum bum, der Niklo der geht um“. Ich bemerkte, wie Franz seine Fäuste ballte. Schnell suchte ich im Schutz der Geistlichkeit das Weite.

PS. Seit 45 Jahren bin ich als Nikolaus in verschiedenen Institutionen und in Familien unterwegs, natürlich nur als heiliger Mann ohne Krampus. Eine Verletzung habe ich nur einmal erlitten, als ich mir den Kopf an einer Eisenlaterne im Eingangsbereich anschlug.

 

Wir hoffen, dass dir diese wahre Nikolausgeschichte gefallen hat.
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